Hier  mein Neues Projekt an dem ich gerade schreibe; 

Die Rache einer Kölner Hexe 1629

Leseprobe

Teufel

Santa Klara

Nonne

Nachdem es eine Weile still geblieben war und von dem gemarterten Körper offenbar keine Gefahr mehr ausging, trippelten die Nonnen an Sophia vorbei in die Zelle. Mit dem notwendigen Abstand umstanden sie anschließend fassungslos betend die Tote. Sophia bekreuzigte sich und versuchte einen Zusammenhang zwischen dem Tod der Äbtissin und der  seltsamen Erscheinung in ihrer Kammer herzustellen. Dabei rollte den federleichten Körper der Äbtissin auf den Rücken, um ihr die starren Augen zuzudrücken. In diesem Moment traf sie Franziskas harter Blick. Die Kälte, die von der Klarissin ausging, ihre steife Unbeweglichkeit und die unangebrachte Feindseligkeit im Angesicht des Todes verwunderten sie. Sie hoffte dass Schwester Franziska, die sich der Äbtissin stets sehr ergeben gezeigt hatte, sich nur äußerlich mit einer harten Schale umgab, um ihre Gefühle zu verbergen. Einlenkend  bemerkte sie: „Erst Schwester Johanna und nun Schwester Benedigta. Wer soll das verstehen? Welche Sünde lastet nur auf unserem Gotteshaus? Zwei teuflische Verbrechen kurz hintereinander. Das wird die Kommissare anlocken. Sie werden kommen und überall umherschnüffeln.“

„Wieso schließt Ihr auf ein Verbrechen, hier in Gottes Haus, Schwester Sophia? Soweit uns bekannt ist, habt Ihr versucht, durch eifriges Beten den Teufel von der Äbtissin abzuwehren. So wie schon zuvor bei Schwester Johanna, der Herr sei ihrer armen verirrten Seele gnädig. Das ist Euch diesmal in beiden Fällen nicht gelungen. Es reicht eben nicht aus, im Angesicht des Heiligenscheins, der Euch umgibt, den Menschen Gottes Zorn zu prophezeien, wenn sie nicht zur Umkehr bereit sind“, kam es spöttisch zurück. „Unsere Schwestern haben Euch vertraut und es nun mit ihrem Leben bezahlt.“

„Ich weiß nicht, womit ich Euren Unwillen hervorgerufen habe, Schwester Franziska“, rechtfertigte sich Sophia ruhig, während sie die Tote nach Verletzungen absuchte. „Bedenkt, dass es Gott ist, der mich lenkt und der durch meine Hände Wunder vollbringt. Erinnert Euch an die Nonne der St. Vinzenz-Klause, die erst im Februar auf meine Fürbitte hin bei unserem Allerheiligsten von einem schmerzhaften Beinleiden genas. Wenn Ihr damit sagen wollt, dass meine Bemühungen die Dämonen aus Benediktas Körper zu vertreiben sie getötet haben, dann irrt Ihr. Unsere ehrwürdige Schwester ist nicht durch die Teufelsaustreibung gestorben, sondern durch eine der sieben Todsünden, die sich ihres Mörders – oder ihrer Mörderin – bemächtigt hat.“

Mit einer raschen Bewegung verschwand ihre Hand in einer Falte des Habits der Äbtissin und legte unterhalb ihres Herzens eine blutige Klinge mit einem goldenen Knauf frei. „Man hat die Mutter Oberin, wie zuvor auch schon Schwester Johanna, mit einem solchen Dolch getötet. Ich nehme an, dass man ihr zuvor Gift gereicht und sie dann zusätzlich erdolcht hat. Unsere gütige Mutter  hatte einen starken Körper, sie hat es ihrem Mörder sicher schwer gemacht.“

Ein strafender Blick aus den Augen Franziskas war die Antwort. Die Klarissin hasste es, wenn man ihr widersprach oder ihre Worte anzweifelte. Insgeheim war für sie die Äbtissin nur eine weitere Besessene des Klosters Santa Klara.

„Seltsam, wie zielstrebig Ihr eben nach dem Messer gegriffen habt, liebe Sophia“, höhnte sie leise. „Wenn Ihr von einem Verbrechen ausgeht, dann könnte ich falsche Schlüsse daraus ziehen. Aber zu Eurem Glück litt die Mutter Oberin an der ‚schedelnden Gottesstraf’, das wisst Ihr ebenso gut wie ich und alle hier Anwesenden“, zischte sie. „Nach all den Qualen wollte Benedikta sich selbst vom Teufel in ihrem Leib befreien und hat mit dem Stilett ein wenig nachgeholfen. Nur das ist die Erklärung für ihren Tod, denn offensichtlich ist es ihr gelungen, den Dämon zu vertreiben.“

Wie zur Bestätigung ihrer Worte bückte sie sich, öffnete hastig den Brustschleier der Toten und suchte mit den Fingern in dem halb geöffneten Mund nach etwas, ohne noch einen Blick auf das Stilett in der Brust der Äbtissin zu werfen.

„Und wie, Schwester Sophia, erklärt Ihr Euch das hier?“

Mit einem triumphierenden Blick wies sie auf ein silbernes Kreuz, das sie im Rachen der Toten entdeckt hatte. Sie zog es rasch heraus und schwenkte es dann hoch über ihren Kopf, damit es alle Nonnen sehen konnten.

Nonnen

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